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Die Judokas vom JC Samurai

Gerbracht Ralf 24.08.2019
Vereinsübergreifende Freude am Sport
Die Judokas vom JC Samurai finden sich für ihre Leidenschaft als Team aus mehreren Klubs zusammen
Nach drei Jahren Bezirksliga feiern die Kämpfer des JC Samurai Schwelm-Ennepetal den Aufstieg in die Landesliga.                                              <b>Verein</b>
Nach drei Jahren Bezirksliga feiern die Kämpfer des JC Samurai Schwelm-Ennepetal den Aufstieg in die Landesliga. Verein
Die Judokas vom JC Samurai Schwelm-Ennepetal in Aktion.                                                                                             <b>JC Samurai</b>                                              JC Samurai
Fabian Vogel

Ennepe-Süd Mit schnellem Schritt schreiten die beiden Konkurrenten umeinander, die Füße streifen dabei immer wieder die Matten und deuten Angriffe an. Sie belauern sich, die Blicke sind nur auf den Gegner gerichtet – und auf einmal zuckt die Hand an den Anzug des Gegners, nur wenige Augenblicke später liegen die beiden Judokas auf dem Boden und ringen um die beste Position. So geht das oft über Minuten, wie kräftezehrend das sein kann wissen unter anderem die Judokas vom JC Samurai Schwelm-Ennepetal. Wobei der Name eigentlich auch den Zusatz von zwei weiteren Städten verdient hätte – zumindest wenn es um die erste Wettkampfmannschaft geht.

„Eigentlich könnten wir uns auch Judoclub EN-Süd nennen“, sagt Alfred Niemeyer, Vorsitzender der „Samurais.“ Der Verein, der 1966 in Schwelm gegründet wurde fand 1998 eine weitere sportliche Heimat in Ennepetal, zuhause ist er aber seitdem eigentlich in beiden Städten. Eigentlich deshalb, weil seit vier Jahren auch zwei weitere Städte durchaus als neue sportliche Heimat der Judokas genannt werden können.

Aus vier Vereinen zusammen gefunden

Denn seitdem sind Sportler aus Gevelsberg und Wetter bei der ersten Wettkampfmannschaft mit an Bord. „Wir freuen uns, dass wir diese Sportler für uns gewinnen konnten“, sagt Niemeyer. Gemeinsam mit den Judokas aus den beiden Nachbarstädten ging es in der vergangenen Saison sehr erfolgreich durch die Bezirksliga – am Ende stand der Aufstieg in die Landesliga.                                                            Die Judokas vom JC Samurai Schwelm/Ennepetal  

                                                                                                      in Aktion. JC Samurai JC Samurai

Wer denkt, dass die Abgänge der einzelnen Sportler von der TGH Wetter oder dem VfL Gevelsberg für Unmut bei deren Vereinen sorgte, kennt die Einstellung von Judokas zu ihrem Sport nicht. Denn statt beleidigt zu sein, dass die Sportler den Verein verlassen haben, arbeiten die Vereine einfach künftig zusammen. „Wir haben untereinander an tolles Verhältnis. Das ist eher ein Mit-statt ein Gegeneinander“, sagt Alfred Niemeyer über das Verhältnis unter den Vereinen.

Einer muss immer aussetzen

Und auch das Verhältnis der Sportler untereinander passte schnell. „Da haben sich über den Sport hinaus echte Freundschaften entwickelt“, freut sich Trainer Andreas Morszek zu berichten. Da nimmt auch keiner dem anderen Mal einen Einsatz übel, denn dass jemand beim JC Samurai bei den Wettkämpfen auch einmal pausieren muss, ist unumgänglich. „Wir haben derzeit 28 aktive Wettkampf-Kämpfer“, hat Morszek genau durchgezählt.

Er ist als Trainer bei den Wettkämpfen stets darum bemüht, alle Kämpfer zum Einsatz kommen zu lassen – und das unabhängig von der Farbe des Gürtels die der Judoka um die Hüfte trägt. „Wir schauen aber schon, wer unseren Kämpfern dann gegenüber steht“, sagt Madlene Vollmershaus. Die Geschäftsführerin und Jugendtrainerin beim JC ist leidenschaftliche Judoka, sie weiß ganz genau worauf es in ihrem Sport ankommt. „Judo ist gut für die Fitness, es ist ein Sport der alle Partien des Körpers beansprucht und neben der Kraft auch die Ausdauer fördert“, weiß die Trägerin des ersten Dans.

Auch abgesehen von der körperlichen Beanspruchung während der Kämpfe mit den vielen Griffen bietet Judo eine Belastung auch für den Kopf. „Im Judo lernen immer beide Kämpfer etwas. Nur mit Kraft erreicht man nicht viel“, sagt Andreas Morszek.

Verantwortung auch für den Gegner

Viel mehr geht es darum zu lernen, wie der Gegner gelesen werden kann, wie Bewegungen antizipiert und die richtige Reaktion gewählt werden können. Ein Kampf im Judo spielt sich vor allen Dingen im Kopf ab, der Körper ist eher das ausführende Instrument der Sportler, die sich jeder Bewegung bewusst sind.

Darüber hinaus übernimmt auch jeder Judoka Verantwortung für sich und seinen Gegner. „Es gibt klare Regeln die auch fast immer eingehalten werden. Es geht nicht darum, dem Gegner Schmerzen zuzufügen“, sagt Madlene Vollmerhaus. Sie trägt den schwarzen Gurt und übernimmt Verantwortung in ihrem Verein, genauso wie es viele andere bei den Samurais auch tun. „Mit steigender Gradierung nimmt auch die soziale Verantwortung zu. Man entwickelt einen Leitfaden für die Ausbildung einer außersportlichen Kompetenz“, sagt Andreas Morszek. Denn wer für die Ausbildung von jungen Judokas zuständig ist, ist auch für die Vermittlung der Werte und Gepflogenheiten des alten japanischen Kampfsports verantwortlich.

Wobei sich diese Verantwortlichkeit nicht nur auf die Weitergabe des Wissens an Kinder und Jugendliche beschränkt – auch innerhalb einer Mannschaft gehört das dazu. Die Altersspanne bei den Judokas aus Schwelm, Ennepetal, Gevelsberg und Wetter liegt zwischen 17 und 49 Jahren. „Manchmal, wenn sie sich körperlich fit fühlen, sind auch ältere dabei“, weiß Morszek. Denn Judo ist ein Sport, der auch im gehobenen Alter noch ohne große Probleme durchgeführt werden kann.

Lieber Breiten-als Leistungssport

Damit auch ältere Semester dem Judo treu bleiben, haben die Samurais die Wettkampfmannschaft ins Leben gerufen. „Irgendwann fehlt den Jugendlichen die Herausforderung und sie verlassen den Verein. Das wollten wir damit verhindern“, berichtet der Trainer. Zu verbissen sehen er und seine Mannschaftskollegen diese Herausforderung aber nicht. „Klar ist Ehrgeiz dabei, es geht aber um etwas anderes. Wir machen unseren Sport aus dem Zusammenhalt mit Freude“, sagt Morszek.

Es passt, wenn er immer wieder betont dass in seinem Verein Breiten-und kein Leistungssport betrieben wird. „Es geht darum, Spaß zu haben“, sagt Alfred Niemeyer – und drückt damit die Überzeugung der Judoka aus.

Westfalenpost/Westfälische Rundschau, Ausgabe Freitag 23. August 2019 "Der lokale Sport"