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Ennepetaler Raccoons beenden 1. Saison in der Bundesliga

Gerbracht Ralf 05.09.2019
„Wir wollen uns weiter verbessern“
Die Ennepetal Raccoons beenden ihre erste Saison in der 2. Bundesliga auf dem vierten Platz. Sportlich passt es bei den Waschbären, nur in der Infrastruktur fehlt es weiterhin

Matthias Zotti sorgt zu Saisonbeginn mit seinen Fähigkeiten für wichtige Siege der Raccoons – bis er zur Nationalmannschaft muss. misch

Fabian Vogel

Ennepetal Reichtum ist was relatives, ein jeder Mensch empfindet das anders. Für die einen bedeutet das Geld, für andere sind es Erfahrungen, die gesammelt wurden. Wenn es nach danach geht, haben die Baseballer der Ennepetal Raccoons in ihrer ersten Saison in der 2. Bundesliga eine ganze Menge Reichtum erworben. Wir haben mit Trainer Achim Hilger über das erste Jahr in der zweithöchsten Spielklasse gesprochen. Und natürlich auch über die dabei gesammelten Erfahrungen in Bezug auf Gegner, Niveau und Spielstätten. Zum ersten Mal nach drei Aufstiegen in Serie haben Sie in diesem Sommer nichts zu feiern. Wie enttäuscht sind Sie? Achim Hilger: Die Enttäuschung ist groß (lacht). Nein, nun im Ernst. Vielleicht können wir ja noch etwas feiern, schließlich steht unsere zweite Mannschaft immer noch ungeschlagen an der Tabellenspitze der Bezirksliga. Da sieht es ganz danach aus, als könnten wir da demnächst den Aufstieg in die Landesliga feiern.

In der Bezirksliga begann damals der rasante Aufstieg Ihrer Mannschaft – inzwischen haben Sie das erste Jahr in der 2. Bundesliga hinter sich. W

ie fällt ihr Fazit aus? Ich denke, wir können vollauf zufrieden sein mit der Saison. Platz drei wäre zwar möglich gewesen, aber wir sind auch so absolut einverstanden mit dem Abschneiden. Paderborn, Dortmund und auch Bonn haben keine Zweifel an ihrem Potenzial aufkommen lassen und gezeigt, wie stark sie sind. Zum Saisonstart konnten Sie die Bonner und die Dortmunder sogar jeweils einmal besiegen... Das stimmt, das hat uns

Achim Hilger blickt auf eine abwechslungsreiche Saison zurück.
Michael Scheuermann

auch eine Menge Sicherheit gegeben. So konnten wir die dann anstehenden Spiele deutlich beruhigter angehen. Im Juni gelangen dann aber nur zwei Siege und sechs Niederlagen. Wie kam es dazu? Da hat uns der Spielplan ein wenig Sorge bereitet, schließlich haben wir zwei Mal gegen Paderborn und ein Mal gegen Bonn gespielt und hoch verloren. Danach war das Trainerteam besonders gefragt, wir mussten die Jungs wieder aufrichten. Die Unterschiede zu den Teams, die jetzt auch in der Tabelle vor uns stehen, waren schon eindeutig zu sehen, sowohl offensiv wie auch defensiv. Ein Grund für die Niederlagen war auch der Abgang von Matthias Zotti, der bis dahin eine starke Saison spielte. Wie sehen Sie das? Matthias ist ein absoluter Elite-Spieler in Europa, das hat er bei uns gezeigt. Als dann die Anfrage von der italienischen Nationalmannschaft kam, war das für ihn eine große Chance. Sein Landsmann Zidda hat dagegen nicht wie gewünscht eingeschlagen. Das war sicherlich nicht mein Meisterstück, das ist korrekt. Es hat auf und neben dem Feld nicht gepasst, deswegen haben wir ihn wieder in die Heimat reisen lassen. Im ersten Jahr in der 2. Bundesliga hatten die Raccoons praktisch kein Heimspiel, da in Ennepetal immer noch kein eigenes Feld zur Verfügung steht. Wie groß ist dieser Nachteil für den Verein und das Team? Ein riesengroßer, das ist für uns eine enorme Belastung gewesen. Das hat man jetzt auch wieder beim Spiel in Dortmund gesehen, denn dort war der Rasen in keinem guten Zustand. Die „bad hops“ können wir bei uns aber auf dem Kunstrasen nicht trainieren, bei uns springt der Ball ja immer gut. Wir trainieren unter anderen Bedingungen, als wir dann spielen – das ist auf Dauer kein Zustand, mit dem die Stadt und wir erst recht nicht zufrieden sein können. Zumal durch das Ausweichen nach Bochum und Düsseldorf ja auch Einnahmen für die Raccoons wegfallen. Richtig, das Catering übernehmen die Vereine vor Ort. Wir sind denen ja dankbar dafür, dass wir dort spielen können, dennoch geht es einfach nicht ohne ein eigenes Feld. Wir sind einer der ältesten Vereine in Deutschland und haben immer noch keine richtige Heimat hier in Ennepetal gefunden. Der Zuspruch durch unsere Fans ist immer größer geworden, wir haben eine gute Jugendarbeit und spielen in der zweiten Bundesliga – es wäre schön, wenn das auch mal honoriert wird. Was sind die Optionen, falls es keinen Platz in Ennepetal geben wird? Wir wissen ja auch, dass sich da zuletzt etwas bewegt hat. Wenn wir wissen, dass 2020 oder 2021 ein eigener Platz da ist, dann haben wir ja eine Sicherheit, die uns schon ausreicht. Haben wir diese nicht, können wir die Spieler hier nicht halten. Und auch ich werde mich dann umsehen, weil hier ansonsten keine Perspektive sehe. Sie werden im kommenden Jahr 50 – haben Sie abgesehen vom eigenen Platz noch andere Wünsche? Wir planen die neue Saison gerade und sind in abschließenden Gesprächen, da wird es in den nächsten Tagen auch neue Nachrichten geben. Das Ziel für die kommende Saison lasse ich aber noch offen, wir wollen uns aber verbessern. Jeder der mich kennt, weiß was das bedeutet.

Westfalenpost/Westfälische Rundschau, Ausgabe Donnerstag 5. September 2019 "Der lokale Sport"