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Rafael Baltzer wird 14. bei Kart WM in Italien

Gerbracht Ralf 09.11.2019
Bei seiner Familie findet Baltzer Rückhalt
 
Elfjähriges Rennsport-Talent aus Ennepetal hat in seinem Alltag mit vielen Vorurteilen zu kämpfen
 
Rafael Baltzer bei der WM im italienischen Sarno. WP

Auf die Unterstützung seiner Familie darf sich Rafael Baltzer aus Ennepetal immer verlassen: Mutter Isabel Baltzer (Mitte) umrahmt von Ur-Oma Hilde Baltzer (links neben ihr) und Mitgliedern des Beule-Racing-Teams. Privat

Joel Klaas

Ennepetal Rafael Baltzer vom „Beule-Racing-Team“ gehört zu den wohl größten Deutschen Nachwuchshoffnungen in der Rennsportszene. Der Elfjährige nahm Ende des vergangenen Monats an den Weltmeisterschaften der Kartfahrer teil. Als bester Deutscher Fahrer qualifizierte sich der Elfjährige aus Ennepetal über die nationalen Meisterschaften für den prestigeträchtigen Endlauf im italienischen Sarno, an dem insgesamt 370 Fahrer aus über 50 Nationen teilnahmen.

Zwar reichte es für die Rennsport-Hoffnung bei den Weltmeisterschaften „nur“ zu einem 14. Platz in der Gesamtwertung, jedoch sah sich der junge Rennfahrer im Vorlauf auch großen Schwierigkeiten ausgesetzt: Nach einem Unfall musste Baltzer im Finale von Platz 25 aus starten. Elf Plätze machte der Ennepetaler in den wenigen Runden auf dem traditionsreichen „Circuito Internazionale di Napoli“ immerhin noch gut. „Das war trotzdem ein super Erfolg. Wir sind mit dem Finallauf sehr zufrieden, weil er die Konkurrenz reihenweise überholt hat“, erzählt Baltzers Mutter Isabel rückblickend auf den Höhepunkt des Rennsportjahres.

WM-Teilnehmer hebt nicht ab

Wer jetzt jedoch glaubt, dass der Elfjährige durch den großen Erfolg abgehoben ist, liegt falsch. „Da achten wir auch ganz bewusst drauf. Rafael ist bei den Rennen hochkonzentriert, aber wenn er aus dem Kart steigt, ist das erste was er macht, mit den anderen Fahrern zu spielen oder mit den größeren Kontakt aufzunehmen“, so Isabel Baltzer. Und das ist erfahrungsgemäß nicht bei allen Fahrern aus der Micro-Klasse so: „Wenn ich die anderen Kinder sehe, die mit Rafael in einer Altersklasse an den Start gehen, merkt man schon, dass da ein gewisser Ehrgeiz hinter steckt“, formuliert Isabel Baltzer vorsichtig. „Da wird sich nach dem Rennen sofort zusammen gesetzt und es werden die Fehler analysiert. Uns ist es wichtig, dass Rafael neben der Rennstrecke auch noch Kind sein darf und sich den Spaß am Rennsport dadurch behält“, so die Mutter des Karttalents.

Dass der Elfjährige alles andere als abgehoben ist, beweist er auch bei einem Sponsorentermin im Autohaus Mercedes Jürgens in Hagen-Haspe unter der Woche. Rafael macht einen aufgeweckten Eindruck, kommt sehr freundlich und fröhlich daher.

Dass diesen Eindruck nicht alle teilen, macht Mutter Isabel derweil deutlich: „Klar, es gibt schon Leute in unserem Umfeld, die komisch darauf reagieren, dass Rafael Rennsport betreibt. Wir haben da häufig mit Vorurteilen zu kämpfen“, so die Mutter. „Viele denken, wir würden Rafael mit falschem Ehrgeiz dazu drängen, den Sport zu betreiben. Das Gegenteil ist aber der Fall“, so Mutter Isabel.

Unterstützung erhält der junge Rennfahrer in solchen Momenten vor allem von seiner Familie, aber auch von seinem Klassenlehrer: „Der macht wirklich einen tollen Job und spricht Rafael Mut zu. Es ist schön zu sehen, dass sein Klassenlehrer so hinter ihm steht und ihn unterstützt, weil er auch merkt, dass manche Leute komisch auf sein Hobby reagieren“, erzählt Isabel Baltzer von der Unterstützung von schulischer Seite.

„Er fühlt sich daher auf den Rennwochenenden, wenn wir die anderen Fahrer treffen, immer am wohlsten. Dort hat er seine Freunde, mit denen er abseits der Rennen viel Zeit verbringt“, so Baltzers Mutter.

Rückhalt aus der Familie

Zudem kann sich der junge Rennfahrer auf den Rückhalt seiner Familie und seines Rennteams verlassen: „Wir sagen ihm auch, dass er sich nicht damit beschäftigen soll, was andere über uns denken. Wichtig ist, dass er weiter Spaß an seinem Hobby hat“, erzählt seine Mutter.

Auch Großvater Peter Baltzer und Rennteam-Mitglied Wolfgang Sammet unterstützten das Kart-Ass nach allen Kräften: „Ich verbringe an den Rennwochenenden viel Zeit mit ihm und habe ein gutes Gespür dafür, wie es ihm geht. Aus den technischen Geschichten halte ich mich eher raus. Ich bin dafür da, dass es Rafael neben der Strecke gut geht und er den Spaß nicht verliert“, erklärt Wolfgang Sammet.

In den kommenden Monaten stehen für den Nachwuchs-Rennfahrer dann zunächst wichtige Testfahrten auf dem Programm: „Ziel ist es, dass er nächste Saison in der Junioren-Klasse an den Start geht und damit die Mini-Serie überspringt. Dafür müssen wir aber noch viel am Kart arbeiten“, erklärt Opa Peter Baltzer. „Erst in den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob der Plan aufgeht. Wichtig ist in erster Linie, dass er den Spaß nicht verliert und weiter mit Leidenschaft dabei bleibt“, erklärt der Großvater.

Westfalenpost/Westfälische Rundschau, Ausgabe Freitag 8. November 2019 "Der lokale Sport"