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Fußballer trauern um Egon Oberdorf

Gerbracht Ralf 02.03.2020

Spieler, Trainer und Funktionär stirbt zwei Tage nach seinem 93. Geburtstag


 
Egon Oberdorf (†). Archiv

Heinz-G. Lützenberger

Ennepetal Sein freundliches Gesicht, sein freundliches Wesen, stets ein nettes Wort parat. Gleichzeitig hat er nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten, sein großer Fußball-Sachverstand hatte Gewicht. Das wird fehlen – insbesondere rund ums Ennepetaler Bremenstadion. Egon Oberdorf ist gestorben, zwei Tage nach seinem 93. Geburtstag. Ein Fußballer durch und durch, ein fairer Sportsmann ebenso, ein Ennepetaler Urgestein. Die Trauer beim TuS Ennepetal und den umliegenden Fußball- und weiteren Sportvereinen ist groß.

Egon Oberdorf war Spieler, Trainer und Funktionär. Ihm konnte keiner etwas in Sachen Fußball vormachen. Bereits im zarten Alter von sechs Jahren fand er erstmals Gefallen an dem runden Leder – welcher seinerzeit noch ein Provisorium darstellte und mit den heutigen Bällen keineswegs mehr zu vergleichen ist. Er kickte für den TuS Milspe – dem Vorläufer des TuS Ennepetal, für den er ebenfalls die Fußballschuhe schnürte. Auch in Gevelsberg jagte er dem Ball um Tore und Punkte als Mittelfeldspieler hinterher.

Höhepunkt mit FC Schalke 04

Seine Spuren als Trainer hinterließ Egon Oberdorf nicht nur beim TuS Ennepetal. Ebenso stand er an den Seitenlinien vom damaligen VfL Gevelsberg (einer der Vorläufer des heutigen FSV Gevelsberg), SuS Volmarstein, TuS Wengern, Eintracht Jahn Gevelsberg (der Vorläufer von SE Gevelsberg, dessen Fußballabteilung ein weiterer Vorläufer des heutigen FSV Gevelsberg ist) und FC Wetter.

Dieser aktiven Phase seiner fußballerischen Laufbahn folgten die Engagements als Fußball-Abteilungsleiter, Mitglied des Ältestenrates sowie Geschäftsführer des Hauptvereins im TuS Ennepetal. „Spieler, Trainer, Vorsitzender – mein Herz hängt am TuS“, sagt Egon Oberdorf anlässlich seines 90. Geburtstages.

Einen fußballerischen Höhepunkt erlebte Egon Oberdorf, als 1947 der FC Schalke 04 in Milspe gastierte. „12.000 Menschen waren auf dem Bremenplatz und standen direkt an der Linie“, erinnerte sich Oberdorf vor vielen Jahren für unsere Redaktion. Gegen Szepan und Kuzorra, Klodt, Tibulski und Co gab es ein unfassbares 2:2-Unentschieden. Die Begegnung auf Schalke ging dagegen mit 0:6 verloren. Für den TuS Milspe spielte unter anderem der spätere Ennepetaler Bürgermeister August Born.

Über den TuS Ennepetal hinaus ließ sich Egon Oberdorf ebenfalls gerne in die Pflicht nehmen. 18 Jahre lang war der Ennepetaler auch Geschäftsführer im Stadtsportverband und half den jeweiligen Vorsitzenden Gerhard Menkel und Martin Moik bei ihren Aufgaben. „Als ich 82 Jahre wurde, habe ich das Amt abgegeben, Platz für Jüngere gemacht“, berichtet Oberdorf vor drei Jahren. Überdies ließ es sich Egon Oberdorf nicht nehmen, jedes internationale U19-Pfingstturnier (Spax-Cup) im Bremenstadion mitzuerleben.

Die Liebe zum, das Engagement für den Fußball hat er der Familie weiter gebeben – das gilt genauso für seine Söhne Peter und Frank als auch für seine Enkel Jan, Tim, Julia und Lena.

Westfalenpost/Westfälische Rundschau, Ausgabe Montag 2. März 2020 "Der lokale Sport"